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Die Sehbehinderte Silvia Dintheer erkennt einzelne Tramtypen am Geräusch
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05.11.2003 / Der Bund
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| Kategorie: Presse |
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Inhalt:
Die Sehbehinderte Silvia Dintheer erkennt einzelne Tramtypen am Geräusch
CATHERINE ARBER
Silvia Dintheer hat zwei verschiedene Visitenkarten. Auf der einen ist sie zusammen mit ihrem Ehemarin abgebildet. Auf der anderen Karte ist neben ihrer Adresse ein Bild des Combino-Trams gedruckt. Denn mit der neuen Strassenbahn von Bern Mobil fing alles an. Als die Gefährte zu Beginn diesesJahres in der Stadt Bern neu eingeführt wurden, befand sich der Türknopf an einer anderen Stelle, und die stark sehbehinderte Frau hatte Mühe"ohne fremde Hilfe in die Strassenbahn zu steigen. Für sie sei es aber sehr wichtig, dass sie sich selbständig mit den öffentlichenVerkehrsmitteInförtbewegen könne, sagt Silvia Dintheer. "Das bedeutet für mich ein Stück Freiheit." Die inWabernwohnhafte Silvia Dintheer machte sich deshalb auf, das neue Tram, das häufig auf der Neuner-Linie verkehrt, im Depot zu ertasten.
Tramgeräusche fast wie Musik
Trams sind zu ihrer Leidenschaft geworden. In ihrer Freizeit kurvt die 38-Jährige mit der Strassenbahn durch Bern und Umgebung. Und prägt sich jedes einzelne Geräusch ein. Den Klang der Glocke, der die Abfahrt des Gefährts ankündigt, oder die Art, wie der Motor aufheult. Die Sehbehinderte merkt sich jeden einzelnen Laut und kann inzwischen jeden Tramtyp am Ton erkennen. "jedes Tram hat einen anderen Ton", sagt sie. Und diese Tonalitäten seien für sie fast wie Musik. Nummer 754 macht beim Bremsen ein spezielles Schleifgeräusch. Bei Nummer 739 erschallen die Tramglocken besonders tief, jene von Nummer 472 schwingen in den oberen Oktaven. Da sie nicht sehen könne, speichere sie fast jeden Laut in ihrem Kopf und verbinde ihn mit einem Bild, erklärt Silvia Dintheer. Wenn sie ein Geräusch nicht zuordnen könne, sei sie verunsichert.
Die Trams erkennt Silvia Dintheer aber nicht nur an ihren Geräuschen, sondern auch durch Abtasten der Nummern vorne auf dem Wagen. Doch das Ein- und Aussteigen sei meistens hektisch. Silvia Dintheer steigt deshalb in den Wagen und konzentriert sich auf die Töne. Und die Chauffeure kennen sie schon so gut, dass sie ihr zur Kontrolle von sich aus die Tramtypen sagen. Einen Übernamen hat Silvia Dintheer auch schon: Weil sie vom CombinoTram begeistert ist, rufen ihr die Chauffeure zur Begrüssung "Hallo Combina" zu.
Trarn entfaltet Charakter
Tramchauffeure brachten Silvia Dintheer aufdie Idee, sichbei "Wetten, dass" anzumelden. Bevor sie Thomas Gottschalk aber einen Brief schreibt, will Silvia Dintheer sich noch verbessern. Bei den neuen "Combinos", die alle noch ähnlich tönten, mache sie gelegentlich noch Fehler. "Ein Tram entfaltet seinen Charakter erst im Laufe der Zeit", stellt die Hörbehinderte fest. Momentan habe sie etwas wenig Zeit zum üben. Die gelernteTelefonistin verlor im letzten Jahr wegen Umstrukturierungen ihre Stelle, die sie während 16 Jahren besetzt hatte. Derzeit macht sie eine Fortbildung und ist auf Arbeitssuche. Bevor sie sich aber hinter ihre Hausaufgaben macht, dreht sie jeweils zur Entspannung eine Runde im "Combino".
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